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Zur Geschichte des Ortes

Ausstellung

Eine Schule. Zwei Geschichten.
Von der NAPOBI zur SED-Parteischule Grosser Ziegenberg Ballenstedt

Eine Ausstellung zur wechselvollen Geschichte des Gebäudekomplexes: die Nutzung als „Staatliche Nationalpolitische Bildungsanstalt Ballenstedt“ und als „Bezirksparteischule ‚Wilhelm Liebknecht‘ der Bezirksleitung Halle der SED, Ballenstedt“. Die Sonderausstellung ist im Stadtmuseum „Wilhelm von Kügelgen“ Ballenstedt dauerhaft verortet und wird zur Veranstaltung auf dem Großen Ziegenberg in den Räumlichkeiten von Haus 3 präsentiert. Der Forum Großer Ziegenberg e. V. wird die Veranstaltung an drei Tagen mit fachkundigen Führungen über das Gelände und durch das Objekt begleiten.


Führungen über das Gelände

Heinz war weder ein besonders guter noch ein schlechter Schüler, aber er war linientreu. Und er hieß Hitler mit Nachnamen. Von 1935 bis 1939 besuchte er die Napobi in Ballenstedt und legte dort das Abitur ab. 15 Jahre alt war er, als er auf das Internat kam. Heinz Hitler war Adolf Hitlers Lieblingsneffe und die Verwandtschaft ein Umstand, der für den Baufortschritt auf dem Großen Ziegenberg nicht ganz unerheblich gewesen sein dürfte. „Mit so einem Schüler im Gepäck hat sich kein Beamter getraut, irgendetwas abzulehnen“, erzählt Karl-Heinz Meyer, der Vorsitzende vom Verein „Forum Großer Ziegenberg“ auf seinen Führungen über das Gelände. … Mit viel Hintergrundwissen und Geschichten aus dem Alltag derjenigen, die ein Stück Lebenszeit an diesem Ort verbracht haben, werden Sie auf den fachkundigen Führungen über das 35 Hektar große Gelände in die Geschichte des Ortes eintauchen. Der Forum Großer Ziegenberg e. V. wird die Veranstaltung an drei Tagen mit fachkundigen Führungen über das Gelände und durch das Objekt begleiten.


Napola: Verführte Elite im Harz

BUCHLESUNG MIT WOLFGANG SCHILLING

Sie sollten zur NS-Zeit die Eliteschulen für den Führernachwuchs im Großdeutschen Reich werden. Ausgelesene Jungmannen erwarben an paramilitärisch geführten Internatsschulen nicht nur das Abitur, sondern erhielten das Rüstzeug dazu, später in Staat, Verwaltung, Wehrmacht und SS an vorderster Front die nationalsozialistische Gesinnung durchzusetzen. An zwei Standorten kamen Schüler im Harz in Nationalpolitische Erziehungsanstalten (NAPOLA). Die Klosterschule Ilfeld verwandelte man 1933 vom einstigen humanistischen Vorzeigegymnasium in eine straff geführte Einrichtung neuer Gemeinschaftserziehung. Im anhaltischen Ballenstedt entstand nach 1934 der einzige Neubau einer NAPOLA in Deutschland, der mit seiner gigantomanischen Architektur heute befremdet und einer Nachnutzung harrt. Abseits von Städten sollten im Mikrokosmos der neuen Bildungsanstalten wehrhafte Herrenmenschen heranwachsen, die später als „Politische Soldaten“ dem Führerstaat bedingungslos zu dienen hatten.  Auch hier funktionierte das NS-System von Lager, Kolonne und Fahne.  Als Vorbilder dieser Menschenformung dienten Kadettenanstalten, Landschulheime und englische Public Schools mit einer spartanischen aber kameradschaftlichen Prägung. Unter der Parole „Mehr sein als scheinen“ wuchsen hier ausschließlich Jungen als Führungskräfte heran, die auch nach dem Untergang des NS-Staates in Schlüsselpositionen gelangten, wenn sie nicht vorher im II. Weltkrieges ihr Leben ließen. Dieses Buch widmet sich zwei schwierigen Orten, deren NS-Bildungsanstalten mit ihren Ambitionen, Funktionen, ideologischen Hintergründen und deren Niedergang.

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